
Auszeichnung für die Isarnwohld-Schule als Modellschule für Niederdeutsch / Erste Schule im Land, die Plattdeutsch als Wahlpflichtfach anbietet / 18. September 2026
„Wi snackt Platt“ – Ab sofort darf sich die Isarnwohld-Schule Modellschule für Niederdeutsch nennen
Die Isarnwohld-Schule ist um eine Auszeichnung reicher. Am Freitagvormittag, 18. September, besuchte Karen Nehlsen, Referentin für Regional- und Minderheitensprachen des schleswig-holsteinischen Bildungsministeriums, die Isarnwohld-Schule.
Im Gepäck hatte sie das Schild „Modellschule Niederdeutsch“, das sie Schulleiter Sönke Strand unter großer Anteilnahme der Schülerinnen und Schüler überreichte. Begleitet wurde sie von Anne-Beke Sontag, Kreisfachberaterin für Plattdeutsch, und Martin Baudach von der Schulaufsicht des Bildungsministeriums.
Kein Plattdeutsch ohne Silke Schuppenhauer und Andrea Wiggert – ohne das große Engagement der beiden Lehrerinnen, die an der Isarnwohld-Schule Plattdeutsch unterrichten, stünde die Schule nicht da, wo sie jetzt steht: Karen Nehlsen zeichnete die Gettorfer Schule als Modellschule Niederdeutsch aus. Es ist die 55. Modellschule im Land. „Das Besondere ist, dass die Isarnwohld-Schule als erste Schule im Land Plattdeutsch in der Sekundarstufe 1 als Wahlpflichtfach anbietet“, erklärte die Referentin.
23 Schülerinnen und Schüler lernen Plattdeutsch
23 Schülerinnen und Schüler des 9. und 10. Jahrgangs haben Niederdeutsch als Wahlpflichtfach belegt. Das heißt, dass sie in Plattdeutsch wie in Französisch oder Latein Vokabeltests und Klassenarbeiten schreiben müssen. Plattdeutsch ist eine Sprache, die zwar hauptsächlich gesprochen werde, „aber es gibt auch ganz klare Rechtschreibregeln für Plattdeutsch“, sagte Karen Nehlsen.

Es gibt klare Regeln für Grammatik und Rechtschreibung
Grundlage des Unterrichts stellen die SASS-Wörterbuchpublikationen, die SASS-Grammatik und die SASS-Rechtschreibung dar. Die Isarnwohld-Schule sei aus plattdeutscher Sicht ein gutes Vorbild für andere Schulen, ebenfalls einen ähnlichen Weg einzuschlagen. Das Wahlpflichtfach Plattdeutsch in der Sekundarstufe 1 des Gymnasiums wurde vor zwei Jahren mit Beginn des Schuljahres 2024/2025 eingeführt.
Plattdüütsch is en Stück Heimat.
Schulleiter Strand kann sich sehr gut vorstellen, in Zukunft bereits im 5. und 6. Jahrgang neben anderen AG-Angeboten die AG „Plattdeutsche Welt“ anzubieten. Er selbst bekannte sich in seiner Begrüßung, die er auf Plattdeutsch hielt, zum Plattdeutschen: „Plattdüütsch is en Stück Heimat.“ Die Sprache sei viel mehr als nur eine Sprache: Der Klang ihrer Worte bedeute für ihn Heimat.
Plattdeutsch ist kein Gegenteil von Weltoffenheit.
Die Sprache präge die Menschen in der Region und beinhalte ihre Geschichte und Kultur, auf die man stolz sein könne – nicht zu vergessen der wunderbare Humor in der plattdeutschen Sprache. Auf eine Tatsache legte der Schulleiter besonderen Wert: „Plattdeutsch ist kein Gegenteil von Weltoffenheit.“
Abitur in Plattdeutsch?
Könnten die Schülerinnen und Schüler in Zukunft ihr Abitur in Plattdeutsch machen? „Das wäre ein Traum“, sagte Karen Nehlsen. Perspektivisch sei das möglich – tatsächlich aber noch in weiter Ferne. Die Regionalsprache Niederdeutsch ist laut Erlass des Bildungsministeriums ein wichtiges Kulturgut, das es zu schützen gilt und das die Schulen freiwillig weitergeben können. „Denn nur noch wenige Kinder lernen und sprechen zuhause Plattdeutsch“, sagte die Referentin. Aktuell wird Plattdeutsch an 55 Modellschulen unterrichtet, davon an 42 Grundschulen und 13 Schulen mit Sekundarstufe.
Die Lehrerinnen Silke Schuppenhauer und Andrea Wiggert sind ein echter Glücksfall für die Isarnwohld-Schule.
„Die Lehrerinnen Silke Schuppenhauer und Andrea Wiggert sind ein echter Glücksfall für die Isarnwohld-Schule“, betonte Karen Nehlsen noch einmal. Ohne ihr großes Engagement sei diese Form des Unterrichtsangebots gar nicht möglich. „Es gibt sogar ein schulinternes Fachcurriculum.“

Bewegungsspiele auf Plattdeutsch
Neben einer Urkunde hatte die Referentin auch eine schwere Bücherkiste dabei, die sie stellvertretend für die Plattdüütsch Stiftung Sleswig-Holsteen überreichte. Glückwünsche kamen auch von Anne-Beke Sontag. Statt Geschenke brachte die Kreisfachberaterin für Plattdeutsch Bewegungsspiele auf Plattdeutsch mit. Und sogleich wurden die Arme gehoben, die Finger gespreizt und bestimmte Satzwendungen oder Reime auf Plattdeutsch gesprochen.
Plattdeutsche Konzentrationsübungen
Neu war nicht nur für die Schüler und Schülerinnen, sondern auch für Schulleiter Strand, die Lehrerinnen und die Vertreter des Bildungsministeriums, dass es auch Konzentrationsübungen in plattdeutscher Sprache gibt – die gar nicht so einfach sind.
Vorführungen der Schülerinnen und Schüler
Aber bevor Karen Nehlsen dem Schulleiter die Urkunde überreichte, gaben die Schülerinnen und Schüler des 9. Jahrgangs (Unterricht bei Andrea Wiggert) sowie des 10. Jahrgangs (Unterricht bei Silke Schuppenhauer) einen Einblick in ihre Sprachkünste. Sie trugen lustige Anekdoten vor und spielten einen kleinen Sketch. Warum wollen Jugendliche von heute überhaupt freiwillig Plattdeutsch lernen und in dieser Sprache richtige Klassenarbeiten schreiben?
Warum Jugendliche heute Plattdeutsch lernen wollen
„Ich bin in Blickstedt in die Kita Schwalbennest gegangen und habe da schon erste plattdeutsche Worte gelernt“, verriet Neele (15/10. Jahrgang). Und jetzt wolle sie die Sprache richtig lernen. Bei Pelle (15/10. Jahrgang) verhält es sich ähnlich: „Ich habe zwei Jahre in der Parkschule Gettorf an der Plattdeutsch-AG teilgenommen. Jetzt will ich mehr. Und Plattdeutsch macht Spaß.“
Bei Liara (15/10. Jahrgang) wird zuhause noch Platt gesprochen. „Oma und Opa sprechen Platt. Und da will ich besser mit ihnen sprechen können.“ Das möchte auch Jule (16/10. Klasse). Deshalb hat sie Plattdeutsch als Wahlpflichtfach gewählt, wie weitere 22 Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe 1.
Plattdeutsch gehört zu unserer Region. An die Schule geht mein großer Dank, dass sie unser Kulturgut an die Jugend weitergibt.
Joachim Wendt-Köhler, Schulverbandsvorsteher des Schulverbands Gettorf und Umgegend, zeigte sich begeistert: „Plattdeutsch ist eine Sprache, die gesprochen wird. Plattdeutsch gehört zu unserer Region. An die Schule geht mein großer Dank, dass sie unser Kulturgut an die Jugend weitergibt.“